Schützenwesen in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe
Deutsche UNESCO-Kommission
Schützenwesen in Deutschland - Begründung der Auszeichnung
"Das Schützenwesen ist vielerorts ein wichtiger, historisch gewachsener und lebendiger Teil der regionalen oder lokalen Identität. Es umfasst eine große Anzahl von Bräuchen und Traditionen, die in Deutschland in zahlreichen unterschiedlichen Erscheinungsformen verbreitet sind. Das alte Brauchtum wird heute in der Regel im Rahmen einer Vereinszugehörigkeit von Menschen jeden Alters und Geschlechts unabhängig von religiösem Bekenntnis, sexueller Orientierung, Herkunft oder auch Behinderung ausgeübt. Es gibt vielfältige Maßnahmen zur Weitergabe der Tradition und eine aktive Pflege regionaler und europäischer Verbindungen.
Bekanntester und wesentlicher Ausdruck des Schützenwesens ist das Schützenfest, das mit vielfältigen örtlich unterschiedlichen Bräuchen einmal im Jahr gefeiert wird. Jedes Schützenfest hat lokal hergebrachte Rituale und Bräuche und unterschiedliche Abläufe. Über dieses singuläre Ereignis hinaus prägen gerade in kleineren Orten die unterschiedlichen ortsbezogenen Bräuche der Schützenvereinigungen das soziale und kulturelle Gemeinschaftsleben, sodass die Schützentradition das ganze Jahr wahrnehmbar ist und gelebt wird."
Der Präsident des Deutschen Schützenbunds, Heinz-Helmut Fischer, und der Generalsekretär der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen, Peter-Olaf Hoffmann, nahmen die Urkunde am 11. März 2016 entgegen.
Das europäische Schützenwesen - Einheit in Vielfalt
Immernoch sind die Erinnerungen an das Europaschützenfest im August 2024 präsent. Es waren drei wundervolle, unvergessliche Tage am und in Mondsee. Federführend für die Ausrichtung des Europäischen Schützentreffens waren die Mondseer Prangerschützen, deren Wurzeln bis ins Jahr 1684 zurückreichen. Ursprünglich hatten sie die ehrenvolle Aufgabe, den „Prangtag“ (Fronleichnam) lautstark mit Böllern und Musketen zu verkünden. Um diesen Brauch zu bewahren, wurden die Prangerschützen im Jahr 1981 neu gegründet.
Veranstalter des Europäischen Schützentreffens ist die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS). Diese Gemeinschaft ist vielen nicht bekannt, hier das Errgebnis unserer Recherchen.
Gegründet wurde die EGS im Jahr 1955 aus der Zusammenarbeit von Vertretern verschiedener Schützenverbände in Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Ihr Ziel ist es, die Traditionen, Sitten und Gebräuche der angeschlossenen Schützenvereine und -verbände in einem vereinten Europa zu bewahren und zu unterstützen.
In der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) gibt es insgesamt fünf Regionen, die unterschiedliche Länder und Traditionen vereinen.
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Region 1 - Europa Mitte/Nord, umfasst Deutschland nördlich des Mains. Diese Region besteht aus sechs Verbänden mit insgesamt beeindruckenden 1927 Vereinen, was sie zur größten Region innerhalb der EGS macht. Als Rhöndorfer Schützen sind wir Teil dieser Regionale
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Region 2 - Europa Mitte/Süd hier sind neben Deutschland südlich des Mains auch Österreich, die Schweiz und Italien vertreten.
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Region 3 – Europa Nord/West umfasst Skandinavien, Großbritannien und die Niederlande.
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Region 4 – Europa Süd/West beinhaltet Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland.
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Region 5 – Osteuropa konzentriert sich derzeit auf Polen, Kroatien und Tschechien.
Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Länder der EGS angeschlossen. Heute sind fast 1 Million Schützen und ihre Familien in rund 2.800 Bruderschaften, Gilden, Schutterijen und Vereinen organisiert. Viele sind im Mittelalter entstanden und jede hat ihre eigenen Traditionen. Dies führt zu einer durchaus beeindruckenden Vielfalt an Trachten und Uniformen. Sehen wir meist nur unsere eigenen, hier im Rheinland - überwiegend grüne Uniformen und die begleitenden Damen in z.T. rauschenden langen Roben – so waren in Mondsee die unterschiedlichsten Trachten zu sehen, beeindruckend aufwändig und farbenprächtig.
Die Ritterschaft vom Hl. Sebastianus
Im Jahr 1985 wurde in Eupen (Belgien) die „Ritterschaft vom Hl. Sebastianus in Europa“ gegründet. Stifter der Ritterschaft ist die EGS. Die Ritterschaft wurde über die Verfassung an das Haus Habsburg gebunden, welches den Großmeister stellt. Am 31. August 2008 wurde im Kaiserdom zu Aachen Karl von Habsburg-Lothringen (Erzherzog von Österreich) als neuer Großmeister investiert. Der Einfluss dieser Ritterschaft zielt darauf ab, ein vereintes, christliches Europa zu fördern – eine Aufgabe, die besonders wichtig, im Angesicht einer Gesellschaft ist, die sich zunehmend vom Glauben abwendet. Ihr Wahlspruch lautet:
Für Gott – Für ein vereinigtes, christliches Europa – Für das Leben
„PRO DEO - PRO EUROPAE CHRISTIANAE UNITATE - PRO VITA“
Das erste Europakönigsschießen fand 1975 in Aachen statt, und seitdem treffen sich die Schützen regelmäßig, alle drei Jahre, zum Europaschützenfest, wie in diesem Jahr in Mondsee. Dieses Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte und das Eintreten für ein vereinigtes, christliches Europa schafft Verbindungen zwischen den Schützen.
Während des Treffens war immer das Verbindende stärker zu spüren als die Unterschiede durch Sprache, Tracht oder Tradition. Probst Johann Holzinger CanReg St. Florian warb in eindringlichen Predigten für ein einheitliches Europa, das den Herausforderungen einer selbstverliebten und machtgierigen Welt standhält.
Die Rhöndorfer Schützengesellschaft ist zwar der Mittelpunkt für uns, als Traditions- und Sportverein, in dem wir uns insgesamt wohlfühlen. Aber wir sind auch Teil einer schönen, wunderbar vielfältigen Gemeinschaft, ein Teil von Europa!!! Es lohnt sich immer wieder, über den Tellerrand zu schauen und einen Blick auf das Große, Ganze zu werfen und bereichernde, neue Erfahrungen zu machen!
Ein besonderer Glückwunsch geht an Kroatien, das das nächste Europaschützenfest im Jahr 2027 in Karlovac ausrichten wird.